Immo-News im Oktober 2022

Stefan Perlebach

30.10.2022

Der Ukraine-Krieg setzt sich unvermindert fort, die Inflation stagniert auf hohem Niveau und die Energiekrise belastet die Industrie durch hohe Gaspreise. Damit nicht genug – die EZB hat, wie erwartet, einen weiteren Zinsschritt gesetzt und den Leitzinssatz um gleich 0,75 Prozentpunkte erhöht. All diese Einflussfaktoren wirken sich weiterhin auf den Immobilienmarkt in Deutschland aus. Wie sich das medial widerspiegelt und welche Schlüsse Investorinnen und Investoren daraus ziehen können, zeigen wir im folgenden Beitrag.

Durchschnittlicher Einfamilienhaus-Preis leicht rückläufig

Sprengnetter hat analysiert, dass die Kaufpreise für Einfamilienhäuser in Deutschland im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um drei Prozent gesunken sind. Nach dem recht konstanten Anstieg der Preise in jedem Quartal, waren die Preise in Q2/2022 erstmals wieder minimal zurückgegangen. In Q3 setzt sich diese Bewegung fort.

Gründe dürfte es dafür gleich mehrere geben. Die schwierigere Kreditvergabe und höhere Zinsen haben wohl einige Träume vom Eigenheim platzen lassen. Wer nun keinen (leistbaren) Kredit mehr bekommt, muss weiterhin zur Miete wohnen. Oder Verkäufer lassen sich auf niedrigere Kaufpreise ein, um die gestiegenen Finanzierungskosten ausgleichen zu können. Für Investoren kann eine Überlegung folgendermaßen lauten: Weniger Menschen können ein Einfamilienhaus kaufen oder bauen. Familien haben aber trotzdem entsprechenden Platzbedarf. Vielleicht wird dadurch deshalb die Nachfrage nach Häusern zur Miete angekurbelt.

Geförderte Kredite für Familien

Business Insider thematisiert neue geförderte Kredite, die an Familien mit zumindest einem Kind und maximal 60.000 Euro Jahreseinkommen vergeben werden sollen. Die geförderten Kredite sollen dabei unterstützen, trotz hoher Kaufpreise und teurer Finanzierungskosten weiterhin Eigentum zu erlangen. Interessant ist, dass es sich nicht um ein neu gebautes Haus handeln muss. Auch die Aufstockung eines bestehenden Gebäudes kann mit dem geförderten Kredit finanziert werden. Hat ein Paar mehrere Kinder, erhöht sich zudem die Einkommensgrenze weiter. So kommt es, dass sehr viele Familien in Deutschland anspruchsberechtigt sind. Klar ist, dass der geschaffene Wohnraum selbst genutzt werden muss.

Die Maßnahme zeigt, dass es immerhin ein politisches Problembewusstsein rund um die gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten gibt. Wie stark die Auswirkungen der geförderten Kredite schlussendlich wirklich spürbar sein werden, bleibt abzuwarten. Für Handwerksbetriebe, Makler und Verkäufer sind es jedenfalls gute Neuigkeiten – dürfen sie dadurch doch darauf hoffen, dass die Nachfrage im Eigentums-Segment dadurch gestützt wird.

Steigende Zinsen könnten Wohnraum verknappen lassen

Haufe.de berichtet darüber, dass die steigenden Zinsen die Neubautätigkeiten bremsen werden. Experten erwarten, dass der Leitzinssatz bald noch höher liegen wird. Dadurch geht die Bautätigkeit zurück und die am Markt vorhandenen Immobilien werden gefragter. Haufe.de zitiert dabei DB Research und macht darauf aufmerksam, dass schon nächstes Jahr wieder deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt werden als bisher. Das Fazit lautet, der Wohnungsmarkt wird „enger und knapper“.

Für Investoren bedeutet das, derzeit verkauft nur, wer wirklich muss. Wer hingegen bereits Bestandsimmobilien besitzt und beispielsweise bei der Finanzierung durch Fixzinsen gut aufgestellt ist, kann mit einem Weiterverkauf der Liegenschaft zuwarten.

„Zukunftsfeste Immobilien“

Die Wirtschaftswoche berichtet, wie sich auch in schwierigen Zeiten mit Immobilien gut verdienen lässt. Kurz – und etwas verallgemeinernd – gesagt, wird der Fokus darauf gelegt, die Bedürfnisse der Zielgruppen zu verstehen. Der demografische Wandel führt dazu, dass beispielsweise barrierefreier Wohnraum zunehmend gefragt sein wird. Und auch die Unabhängigkeit von Energiepreisen kann neue Kauf- und Mietinteressenten locken. Investoren sollten bei Immobilien immer im Blick behalten, dass kurzfristige Marktschwankungen, egal in welche Richtung sie auch gehen mögen, für den langfristigen Vermögensaufbau wenig Relevanz haben.

Wir selbst haben in unserem Blog schon mehrfach darüber berichtet, wie wichtig es ist, sich für die eigenen Immo-Investments eine Strategie zurecht zu legen und diese konsequent zu verfolgen. Tagespolitische Themen und selbst Krisen, die ein paar Jahre dauern können, sollten dabei zwar bedacht werden, aber nicht ausschlaggebend sein.

Realer Umsatzrückgang in der Baubranche

Die Tagesschau teilt mit, dass die Baubranche für das gesamte Jahr einen realen, also inflationsbereinigten, Umsatzrückgang erwartet. Dabei wird darauf verwiesen, dass es der Branche derzeit (noch) gut geht, aber die Sorge besteht, vielen Bauherren könne das Geld ausgehen. Nicht nur wegen der gestiegenen Baukosten, sondern auch, weil die Inflation das sonstige Leben verteuert und die hohen Zinsen ein zusätzlicher Kostenfaktor sind.

Welche Ableitung können Investoren treffen? Sollten die Umsatzrückgänge wirklich eintreten, könnten manche Baufirmen zumindest versuchen, ihre Preise etwas zu senken. Der Spielraum dafür ist begrenzt, da die Materialkosten hoch sind. Doch vielleicht ergibt sich somit in ein paar Monaten ein gutes Zeitfenster, um beispielsweise etwas preiswerter Sanierungen durchführen zu lassen als es momentan möglich ist.

Oktober-Fazit

Immobilien-Investoren können mit gemischten Gefühlen Richtung auf den Oktober zurück und in die Zukunft blicken. Festgehalten werden muss: Vor ein paar Monaten war noch von einer Vollbremsung am Immobilienmarkt die Rede und von Preisen, die womöglich einbrechen würden. Davon ist heute nichts mehr zu lesen. Selbst geringfügige Preisdämpfer bei Einfamilienhäusern fallen da nicht allzu stark ins Gewicht.

Mittelfristig dürfte es mit den Preisen vielleicht nicht steil nach oben, aber zumindest seitwärts gehen. Der Immobilienmarkt ist weiterhin stabil und die Tatsache, dass nächstes Jahr weniger Wohnungen fertig werden, obwohl der Bedarf größer sein wird, lässt Preisanstiege vermuten.

Fraglich bleibt, wie Käufer und Mieter diese steigenden Preise künftig stemmen sollen. Doch die geförderten Kredite könnten ein erstes Anzeichen dafür sein, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen dazu beitragen, eine gewisse Zeitdauer zu überbrücken, bis womöglich auch der Leitzinssatz irgendwann wieder gesenkt werden kann. Es bleibt spannend!

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